Von Friedarike Santner, GEZA
Das saharaurische Wüstenvolk bestand traditionell aus Nomaden, die in teils unwirtlichen
Wüstengegenden Nordwestafrikas leben. In der saharaurischen Kultur gibt es viele solidarische
Verhaltensweisen.
Ab 1884 kolonisierte Spanien die Westsahara, 1975 zog sich Spanien zurück und Marokko besetzte
das Gebiet. Die sozialistisch orientierte Befreiungsbewegung der Westsahara, Polisario, zog sich nach
Algerien zurück, führte von dort aus bis zum Waffenstillstand von 1991 ihren Befreiungskrieg, und
baute dort Flüchtlingslager auf in denen bis heute bis zu 170.000 Menschen leben. Die
Flüchtlingslager waren insbesondere in den ersten Jahrzehnten ihrer Existenz weit reichend nach
solidarischen Prinzipien organisiert. Kooperationen mit Staaten wie Cuba und der UdSSR
ermöglichten vielen Menschen, gute Ausbildungen in diesen Ländern zu absolvieren und ihre
Kenntnisse in solidarisch orientierten Institutionen in den Flüchtlingslagern einzusetzen:
Beispielsweise werden öffentliche Leistungen wie Bildung, Gesundheitswesen, etc., gemeinsam und
solidarisch organisiert (primär von Frauen) und können ohne direkte Gegenleistung in Anspruch
genommen werden.
Bis in die Mitte der 1990er Jahre war die saharauische eine quasi geldfreie Gesellschaft. Seit Ende
der 1990er kommt es jedoch zu einer zunehmenden Zirkulation von Geld (primär durch
Geldüberweisungen im Ausland lebender Saharauris) innerhalb der Lager, die eine Kluft zwischen
dem monetären Sektor und dem Sektor, der auf Solidarwirtschaft basiert, aufreißt. Die solidarische
Versorgung aller Menschen in den Lagern wird auch durch rückgängige humanitäre Unterstützung
immer schwieriger leistbar.