Solidarität mit den ArbeiterInnen von Šinvoz!


Kathrin Jurkat, Wien

 

Diesmal war es nicht das strenge Visaregime der EU, das die beiden Serben, Ivan Zlatić und Branislav Markuš, davon abhielt, nach Wien zu kommen. Vielmehr war die Entscheidung des serbischen Wirtschaftsgerichts ausschlaggebend, nicht am Solidarökonomie Kongress teilzunehmen. Die beiden wollten über den Kampf der ArbeiterInnen in Zrenjanin, Serbien, erzählen. Ein Kampf um das selbstverwaltete Pharmaunternehmen „Jugoremedija“, das 2002 mit der Teilprivatisierung an einen korrupten Unternehmer nahezu in den Bankrott getrieben wurde.

 

Zwar endeten die Proteste der Fabrik „Jugoremedija“ erfolgreich (siehe Ausgabe Februar 2009), jedoch stehen die ArbeiterInnen anderer Fabriken weiterhin ähnlichen Problematiken gegenüber, die sie auf die Straße treiben. Das jüngste Beispiel ist die Schienenfahrzeugfabrik Šinvoz aus Zrenjanin: Sie wurde 2004 privatisiert und zu 56% an den Unternehmer Nebojša Ivković verkauft. Sofort begannen die Probleme. Der Hauptaktionär hielt wichtige Investitionsvereinbarungen nicht ein, Sicherheitsmaßnahmen wurden übergangen und gewerkschaftlich organisierte Arbeiter entlassen. Trotzdem die ArbeiterInnen einen Anteil von 44% des Unternehmens besaßen, konnten sie nichts gegen Ivković ausrichten. Er führte es 2007 in die Insolvenz. Obwohl der serbische Staat anerkannte, dass Ivković die vertraglich vereinbarten Investitionen nicht durchgeführt hatte, entschied der Wirtschaftsgerichtshof am 2. Februar 2009, dass er erneut ein Reorganisationsprogramm in Šinvoz vornehmen könnte. Als Resultat würden die ArbeiterInnen ihrer Unternehmensanteile verlustig gehen, Ivković der alleinige Eigentümer der Fabrik und viele der ArbeiterInnen ihren Arbeitsplatz verlieren.

 

Ivan und Branislav hatten sich kurzfristig entschieden, im Februar die Proteste in Serbien zu unterstützen, informierten aber die Interessierten am Solidarökonomie Kongress via Telefonschaltung über die aktuelle Lage in Zrenjanin. Sie berichteten, dass bereits mehrere staatliche und nicht-staatliche Organisationen die Forderungen der ArbeiterInnen von Šinvoz unterstützen. Das Stadtparlament von Zrenjanin hat einen Untersuchungsausschuss gebildet, welcher sich mit dem Fall Šinvoz beschäftigte und Stellung zu den Machenschaften von Ivković nahm. Eine am Wiener Solidarökonomie Kongress verfasste Solidaritätserklärung konnte dem Stadtparlament als wirkungsvolles Zeichen vorgelesen werden.

 

Wer die Proteste in Zrenjanin unterstützen möchte, ist aufgerufen eine Protestmail an die serbische Regierung zu schicken. Informationen und Unterschriftenlisten sind auf www.freedomfight.net (English) und www.grundrisse.net abzurufen.