Workshop Generationenübergreifende Wohnprojekte
Dieter Schrage, Wien
Generationenübergreifende Wohnprojekte haben in Österreich nicht zuletzt seit dem Bekanntwerden schockierender Pflegeskandale in den 1990er Jahren Aktualität. Senioren-WGs, betreute WGs u. a. entstehen.
Im Mittelpunkt des Workshops standen selbstbestimmte Wohnprojekte, in denen Jung und Alt gemeinsam wohnen:
- In Wien sind dies die Sargfabrik (SF), ein selbstverwaltetes Wohnprojekt, die beiden B.R.O.T.-Projekte sowie die beiden Frauenwohnprojekte „ro*sa“.
- Aus den Bundesländern sind zu nennen die Atrium-Wohnhöfe Pionierprojekte (seit 1975!), das Co-Housing-Projekt „Lebensraum Gänserndorf“, die sich in der Planungsphase befindenden „Leben in Gemeinschaft“-Projekte (Kleinwörth und „Ökodorf Augendobl“) sowie das Siedlungsprojekt „Garten der Generationen“ in Herzogenburg.
Schon das Entstehen der SF zwischen 1986 und dem ersten Wohnungsbezug 1996 hat mit der dreijährigen Suche nach einem Grundstück gezeigt, wie wichtig ein „langer Atem“ ist. In einem Konzeptpapier des grünen AK „Wohnen im Alter“ aus 2002 heißt es: „Das Interesse an dieser Wohnform hat in den letzten Jahren zugenommen, aber die Zahl der realisierten Projekte ist relativ klein. Das liegt u. a. daran, dass die Gruppenkonflikte und die Motivationsprobleme durch überlange Planungs- und Realisierungszeiten, juristische und finanzielle Hindernisse die Realisierungschancen vermindern.“ „B.R.O.T. zur selben Problematik: „Trotz positiver Grundstimmung für eine Idee und ein Anliegen bei mehreren Menschen besteht das Problem des ersten Schrittes. Gelingt dieser nicht, bleibt es weiter beim Wollten, Sollten, Müssten etc.“.
Auch hat die SF gezeigt, dass die einzubringenden Grundkosten- und Eigenmittelanteile (z. B. bei einer 70 qm Wohnung über 36.000 €) dazu geführt haben, dass das Projekt eher ein mittelständisches wurde. Auch sind für 70 qm etwa 430 € Bestandsentgelt inklusive Betriebskosten pro Monat zu zahlen. In den B.R.O.T.-Projekten wollen die Beteiligten auf der Basis einer „christlichen Spiritualität“, dass „Alte und Junge, Gesunde und Kranke, Arme und Wohlhabende Freud und Leid miteinander teilen.“ Um diese Absicht einlösen zu können, gibt es bei beiden Projekten eine Selbstbesteuerung der Mitglieder und einen beachtlichen Solidaritätsfonds (in der SF beträgt der soziale Ausgleich bis 22 Cent pro qm Wohnfläche). Auch ist bei diesen Projekten die nachbarschaftliche Hilfe sehr ausgeprägt.
Die grundsätzliche Frage ist hier, können solidarökonomische Aspekte der eher mittelständischen Tendenz solcher Alternativprojekte entgegen wirken? Die Realität hat gezeigt, in den entscheidenden Finanzierungsfragen bisher nicht. Mitbedacht werden solche alternativen Finanzierungsaspekte bei dem Siedlungsprojekt „Garten der Generationen“. Die Projektrealität ist hier freilich noch abzuwarten.
Vorschläge aus dem Workshop:
- Vernetzung der derzeitigen Initiativgruppen und Projekte
- Von der öffentlichen Hand getragene Beratungsstellen
- Vor allem die Städte sollten ein Pool mit Grundstücken und Immobilien für solche Wohnprojekte bereitstellen.