Die WeltverbessererInnen


Christian Diebold, Zürich

 

Den Anfang hat das Ganze genommen, als sich einige Menschen im Dezember 2006 am Kongress "Wie wollen wir wirtschaften?" in Berlin kennen lernten. Die OrganisatorInnen des Kongresses in Wien stammten aus den verschiedensten sozialen Bewegungen, was sich auch in dem breitgefächerten Programm mit über 120 Programmpunkten niedergeschlagen hat. Gekommen sind ca. 800 TeilnehmerInnen. Die Altersspanne bewegte sich zwischen 20-70 Jahren, während der Durchschnitt ca. 30 Jahre alt war.

 

Die Themen und Projekte reichten von pragmatisch-"opportunistischen" Angeboten bis hin zu ideologisch-indoktrinären Ideen, von "ethischem Banking" über seit Jahrzehnten existierende Kommunen in denen mehrere Dutzend Menschen im Konsensprinzip und mit gemeinsamer Kasse leben, hin zur Frage wie Wirtschaft demokratisiert werden kann, über Kämpfe und Organisationsformen Arbeitsloser in Südamerika bis hin zum Workshop in dem unter anderem die Frage behandelt wurde, ob Macht generell als schlecht anzusehen ist.

 

Dass der Kongress trotz der Breite der Themen funktioniert hat, hat wohl damit zu tun, dass die allermeisten TeilnehmerInnen zu den totgesagten ernsthaften AktivistInnen gehörten. Mensch wusste worum es ging, was auf dem Spiel steht, wie anspruchsvoll das Ganze ist, mit welchen Kräften und Stolpersteinen man konfrontiert ist. Zudem ist wohl auch das Organisationskomitee in seiner heterogenen Zusammensetzung für das gute Gelingen verantwortlich. Sie haben bewusst auf Leader(-organisationen) verzichtet.

 

Besonders beeindruckt hat mich, dass verschiedenste Entwürfe nebeneinander Platz hatten und einander trotz zum Teil grosser Unterschiedlichkeiten mit Interesse und Respekt begegnet worden ist. Es forderte von den TeilnehmerInnen sehr viel Präsenz und Toleranz, in den Workshops und Vorträgen immer wieder den Spagat zu schaffen zwischen bereden, zerreden, Standpunkte verteidigen, Gemeinsamkeiten herausschälen und eine weitere Perspektive zu entwickeln.

 

Es waren drei überaus anregende Tage, nun stellt sich aber weiterhin Frage, wie trägt man die Visionen raus in die Welt, und vor allem, wie hält man die Lust und Kraft aufrecht, immer weiter zu kämpfen?! All diesen engagierten Menschen spreche ich meinen grössten Respekt und ein herzliches Dankeschön aus! Sich zu beteiligen lohnt auf jeden Fall, sei es als OrganisatorIn oder als TeilnehmerIn. Schon um sich und seine Standpunkte besser kennen zu lernen und sich klarer zu werden, wo es lang geht.